Artists
Bobby Durham Ed Thigpen Louis Hayes Oscar Peterson Ray Brown Sam Jones
Information
Genre
Jazz
Release Date
01.01.2014
Information

Das erste Mal sind die legendären Recording Sessions des Oscar Peterson Trios aus dem Wohnzimmer Hans Georg Brunner-Schwers in kompletter Ausführung als CD Box erhältlich.
Die Deluxe-Box vereint Vol. 1-6 mit den Lost Tapes Vol. I+II. Letzteres Volume war bisher nie erhältlich. Die darauf befindlichen Titel wurden von MPS Gründer Hans Georg Brunner-Schwer kurz vor seinem Tode zur Veröffentlichung zusammengestellt. Es wäre vermessen von B-Takes zu sprechen – unterschiedlichste Kriterien verhinderten in den späten 60er Jahren eine Aufnahme in die Tracklists der legendären LPs – mindere Qualität in Spiel und Sound waren sicher nicht der Grund. Im Gegenteil: Gerade der hohe Qualitätsstandard dieser Aufnahmen ist Grund genug für den Release – nun auch der Lost Tapes II, die tatsächlich als digitale Quelle aufgefunden wurden. Das Producer Team der MPS-Reissues hat sich nun der Vereinheitlichung des Klangbilds aller zugrundeliegender Quellen angenommen – mit Erfolg. Diese 8 CD Box führt den Hörer direkt in die analoge Wohnzimmer-Atmosphäre des Jazz-liebenden Millionärs, der einem ausgewählten Publikum unvergessliche Kammerkonzerte und Jazz-Fans weltweit 6 nein 8 Meilensteine von Oscar Petersons besten Standard-Interpretationen bescherte. Das 60seitige Booklet gibt Dank Interviews mit Familienmitgliedern und Gästen intime Einblicke in die Konzertatmosphäre der Villa im Schwarzwald. Der letzte Track der Lost Tapes II CD und damit der auch der Box featured die wunderbaren Singers Unlimited und Oscar Peterson als Vokalisten und liefert eine buchstäblich stimmige Empfehlung zum Genuss dieser legendären Box-Edition: „A Lovely Way To Spend An Evening“.

 

Vol I - Action

In einer legendären Wohnzimmer-Session entstanden 1961 diese ersten Aufnahmen mit dem kanadischen Pianisten. Nach einem Konzert in Zürich lotste man Peterson durch den nächtlichen Schwarzwald, in der Villinger Villa des MPS-Gründers Hans Georg Brunner-Schwer wurde er von einem kleinen enthusiastischen Freundeskreis empfangen. So lässt er sich denn auch auf diesem„Pilot“-Album aus der Box Exclusively For My Friends in spürbar heimeliger Atmosphäre mit seinen Begleitern Ray Brown (b) und Ed Thigpen (dr) erleben. Cole Porters At Long Last Love schäumt schier vor Übermut, die beiden Gershwin-Adaptionen I’ve Got A Crush On You und Foggy Day geraten einmal lyrisch und verträumt, besitzen zum anderen zärtliche Ausgelassenheit. Das ausgewogene Miteinander des Trios wird in der Ballade Easy Walker ohrenfällig, die mit fast unverschämt relaxter Laune einherschreitet. Like Someone In Love lässt Peterson mit dem Modulationsreichtum und den beredten Improvisationsketten auf sein Vorbild Art Tatum verweisen, bietet aber auch Thigpen Raum für ein großartiges Solo. Star dieser Aufnahmen ist jedoch ohne Zweifel das mitreißende, Latin-infizierte Tin Tin Daeo mit seinen fantastisch rollenden Figuren und fliegenden Improvisationsketten. Die Einspielung in jener legendären Nacht von 1961 bildete – nachdem sie aufgrund vertraglicher Bindungen Petersons erst sieben Jahre später erscheinen durfte – überhaupt erst den Startpunkt für den MPS-Katalog

 

Voll II. - Girls Talk

Das Folge-Album zu Action, dem Auftakt der Partnerschaft zwischen Oscar Peterson und MPS, verfügt über ein breites Spektrum an Nuancen im Spiel des Kanadiers. Neben dem geradezu souligen Reiz des Titelstücks begeistert der Opener On A Clear Day mit seiner kräftigen Strahlkraft, ein elegant swingendes Robbins Nest hält ein feuriges Finale parat. Peterson agiert zunehmend solistisch, etwa im rhapsodisch verknüpften Medley von I Concentrate On You und Moon River, das er mit Monkschem Augenzwinkern auflädt. Ganz zentral tritt er auch im harmonisch elaborierten Intro zum epischen, siebzehnminütigen I’m In The Mood For Love hervor, in das seine beiden Begleiter fast unmerklich einsteigen. Darüber hinaus zeigt sich bei den Mitschnitten, die teils aus einer Session vom November 1967 stammen, für Peterson ein spannender personeller Umbruch hin zu anderen Mitstreitern. Nach der ursprünglichen Besetzung mit Ray Brown und Ed Thigpen baut der Kanadier nun (abgesehen von Browns Bass in Robbins Nest) auf Sam Jones, an den Drums wechseln sich Bobby Durham und Louis Hayes ab. Alle Sidemen haben sich auch als Schreiber für die Stücke betätigt.

 

Vol III. - The Way I really play

Mit Sam Jones und Bobby Durham hat sich auf dem dritten MPS-Album in Folge Petersons neue, feste Dreierbesetzung herauskristallisiert. „Das beste Trio, das ich je hatte“, äußerte der Kanadier und schwärmte von dem unmittelbar sich einstellenden Gefühl der Zusammengehörigkeit. Passend ist dieses Vol. 3 denn auch als The Way I Really Play betitelt. In den vorliegenden Aufnahmen ist ohne Zweifel durchhörbar, dass Jones und Durham als ideale Projektionsfläche für Petersons Pianospiel dienend zurücktreten, aber trotzdem auch mit Solomomenten hervorstoßen. Im Opener Waltzing Is Hip nimmt der raffinierte Wechsel zwischen 3/4- und 4/4-Takt gefangen, ebenso das überschäumende Schlagzeug-Solo. Peterson glänzt mit einer regelrechten Neuerfindung von Duke Ellingtons Satin Doll, nachdenklich und harmonisch reich. Mit Sandy’s Blues tut sich der Protagonist als Autor hervor, und er widmet diesen famos ausgeschmücktem Blues seiner Ehefrau. Ebenfalls aus seiner Feder stammt Noreen’s Nocturne – weit davon entfernt eine nächtliche Serenade zu sein, heizt das Trio durch überschwängliche fünf Minuten. Mit dem durch Miles Davis bekannt gewordenen Alice In Wonderland stellt Peterson seine Swing-Kunst unter Beweis. Und als dramaturgisches Meisterstück muss schließlich Gershwins Love Is Here To Stay gelten, das sich mit einem grandiosen Spannungsbogen von freier Lyrik zu zupackender Laune entwickelt.

 

Vol. IV - My favorite Instrument 

Inmitten der Trioeinspielungen der Reihe Exclusively For My Friends sticht dieses Vol.4 als Besonderheit heraus. Es ist Petersons erstes Solo-Album überhaupt, auf dem er im wahrsten Wortsinn uneingeschränkt auf der Klaviatur seiner Fähigkeiten spielen kann – beflügelt durch die idealen Aufnahmebedingungen die er in Hans Georg Brunner-Schwers Villinger Tonstudio fand. Nicht ohne Grund gelten diese Aufzeichnungen noch heute als Offenbarung für Peterson-Fans, denn an den neun Tracks lassen sich exemplarisch all seine Fertigkeiten studieren. Da wären die grandiosen, Art Tatum verpflichteten Läufe von Someone To Watch Over Me, die hitzige und vertrackte Rhythmik von Perdido, die clevere Pedalarbeit in Body & Soul. In Bye, Bye Blackbird entwickelt er wie in einem Schaukasten Thema und Improvisation, mit der reizenden Miniatur Lulu’s Back In Town präsentiert er sich humorvoll, in Take The ‘A’ Train enthüllt er, mit welchen Kniffen ein Evergreen persönliche Noten bekommen kann. Da ist aber auch die ruhige Seite Petersons mit der sensiblen Nachdenklichkeit von Who Can I Turn To oder die überwältigende, tiefnächtliche Zartheit von Little Girl Blue. „Das beste Jazzpiano-Album, das je gemacht wurde“, urteilte der kanadische Autor Gene Lees damals.

 

Vol. V - Mellow Mood

Im Mellow Mood benannten, fünften Kapitel der Serie kehrt Oscar Peterson nach dem solistisch bestrittenen Vol.4 zu seiner Triobesetzung mit Sam Jones (b) und Bob Durham (dr) zurück. Es ist ein Album, auf dem der Kanadier in einigen Stücken die Giganten des US-Jazz feiert. So startet er mit Duke Ellingtons In A Mellotone, das er variantenreich und mit überbordender Physis interpetiert. Die Horace Silver-Komposition Nica's Dream leitet er aus lyrischer Contenace zu improvisatorischem Sprudeln, Gershwins Summertime spielt er in einer vom melancholischen Melos gänzlich befreiten, nach seinen eigenen Worten „kühnen“ Fassung. Mit On Green Dolphin Street greift er ein Thema aus dem gleichnamigen Film auf, entfaltet seine tänzelnden Tastengänge über dem Bordun von Jones, der gegen Ende auch ein wunderbares Solo liefert. Mit den abschließenden Stücken umspannt er einen weiten zeitlichen Rahmen: Sometimes I'm Happy führt in die Unschuldigkeit der Zwanziger Jahre zurück, Who Can I Turn To hingegen stammt aus den Sechzigern. Peterson hat es bereits für sein Soloalbum eingespielt, hier wird es nach einem verblüffenden Tempowechsel im Triogefüge ausgearbeitet. 

 

Vol. VI - Travelin' On

Auf dem abschließenden Volume der Serie „Exclusively For My Friends“ setzt Oscar Peterson mit seinen Kollegen Sam Jones (b) und Bob Durham (dr) noch einmal sehr unterschiedliche Glanzpunkte. Das überschäumende, vorwärtstreibende Titelstück kann seine Wurzeln im Gospel nicht verleugnen, kontrastiert wird es mit der schlichten und doch so tiefsinnigen Ballade Emily. Mit der Jobim-Komposition Quiet Nights (im Original Corcovado) demonstriert das Trio, zu welchem Feingespür es bei der Adaption der Bossa Nova fähig ist. Die ansonsten so träumerische Nummer wird hier mit rasant swingender Unbeschwertheit einer erstaunlichen Metamorphose unterzogen. Durch die Auswahl von Sax No End verbeugt sich Peterson vor dem europäischen Jazz: Die Komposition stammt vom belgischen Bigband-Leader Francy Boland und wird von Petersons mitreißendem, sehr muskulösem Spiel geradezu in Brand gesetzt. Zum Finale When Lights Are Low von Benny Carter: Über zehn Minuten gestaltet das Trio bedächtig und souverän diese versonnene Komposition, wobei Sam Jones mit seinen delikaten Begleitfiguren nochmals eine besondere Rolle zukommt.

 

 

Artists
Bobby Durham Ed Thigpen Louis Hayes Oscar Peterson Ray Brown Sam Jones
Information
Genre
Jazz
Release Date
01.01.2014