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Stereo steht für einen Neuanfang: „Wenn man einmal einen Weg gefunden hat, kann man ewig so weitermachen – oder man kann neue Wege gehen. Wir werden nicht stehen bleiben. Das Gesamtbild der Gruppe wird sich mehr und mehr verändern.“

Konsequent entwickelt Rolf Kühn sich weiter. Manchmal braucht man für die Erneuerung des Jazz einen Mann, der gerade mal 85 Jahre alt geworden ist.

Er überlebte das dritte Reich mit viel Glück. Seine Mutter kam aus einer jüdischen Familie. Gleich nach dem Krieg begann er in Leipziger Jazzclubs zu spielen. Danach waren seine Stationen Berlin, New York, das Newport Jazz Festival, Hamburg und wieder Berlin. Und natürlich Villingen-Schwenningen. Für das dort ansässige Jazzlabel  MPS (Musikproduktion Schwarzwald) nahm er sechs Alben auf. Stereo erscheint nun auf dem wiederbelebten MPS-Label.

Frisch und munter rief Rolf Kühn nach seiner 3-tägigen Studio-Session bei seiner Schallplattenfirma an: „Wir sind fertig mit den Aufnahmen. Ich glaube, das Album ist sehr gut geworden“, sagte er in seiner bescheidenen Art. „Und wie geht es Deinen Musikern?“ fragte der Labelmanager. „Die liegen völlig geschafft in der Ecke…“. Eine verblüffende Vorstellung, denn Kühns Musiker sind zusammen gerade mal ein paar Monate älter als ihr Bandleader!

In drei Tagen nahmen die vier Musiker neun Titel auf, die wegweisend für den heutigen Jazz sind . Die Kompositionen sind bei aller Komplexität klar und verständlich, eingebettet in eine transparente und moderne Soundästhetik und von der Band mit höchster Energie und Spannung aufladen.

Rolf Kühn stellt höchste Ansprüche an sich und seine Musiker. Täglich übt er mehrere Stunden Klarinette, probiert immer wieder neue Instrumente und Mundstücke. Seine «Unit» spielt seit acht Jahren zusammen. Ein Zusammentreffen von unterschiedlichen Generationen: Kühn wuchs in der „Swing-Ära“ auf, spielte Free Jazz und arrangierte und komponierte für Spiel- und Fernsehfilme während seine Musiker wurden mit Rock, Pop und elektronischer Musik sozialisiert wurden.

Sechs der zehn Titel schrieb Kühn, zum Teil mit Bezügen an vergangene Zeiten: District 7 war das Polizeirevier in der Gegend des alten „Birdland“, New Yorks legendärem Jazzclub. Hier wurde der Bruder des Besitzers im Januar 1956 vor den Augen Kühns während seines Gigs erschossen. A Little Circus erinnert an die Zeit, als sein Vater und sein Onkel als Zirkusartisten arbeiteten und auch Kühn selbst Artist werden sollte.

Erstmalig spielte Kühn auch eine Solonummer ein: Goodbye. Eine musikalische Verbeugung an seinen Freund und Mentor, dem Klarinettisten Buddy DeFranco. Er verstarb in der Zeit als das Album entstand.

Sein erstes Instrument war übrigens ein Akkordeon, das er 1936 bekam. Erst 1941 begann er mit Klarinettenunterricht. Das dritte Reich überlebte er mit viel Glück. Seine Mutter kam aus einer jüdischen Familie. Gleich nach dem Krieg begann er in Leipziger Jazzclubs zu spielen. Danach waren seine Stationen Berlin, New York, das Newport Jazz Festival, Hamburg und wieder Berlin. Und natürlich Villingen-Schwenningen. Für das dort ansässige Jazzlabel MPS (Musikproduktion Schwarzwald) nahm er sechs Alben auf.